Ein Tandem aus Kopf und KI

Wie gute Texte schnell gelingen

Published 13.4.2026

Was hat KI in Texten zu suchen? Die meisten Leser lehnen sie instinktiv ab, so wie sie Gentechnik in Lebensmitteln ablehnen. Daher sichern auch Verlage sich in diese Richtung ab, die sonst bedenkenlos maschinenhafte Ghostwriter auf Promis loslassen, nur um deren Meinungen zwischen Buchdeckel zu klemmen und deren Porträts auf Umschläge zu drucken.

Auf der Strecke bleibt dabei die Frage nach der Qualität KI-unterstützten Schreibens. Darüber gehen die Ansichten weit auseinander. Die Kommunikationsberater Dominik Ruisinger und Kai Heddergott haben sich positioniert: KI und Mensch, im Tandem arbeitend, erzielen im Normalfall die beste Qualität mit der höchsten Produktivität. Dazu zitieren sie Belege und Anleitungen, die zum Ausprobieren reizen.

„Ich schreibe keinen Post mehr ohne KI. (…) Nicht, weil ich’s nicht mehr kann. Sondern weil’s mit KI schneller, klarer und fokussierter läuft. KI hilft mir beim Denken. Beim Strukturieren. Beim Streichen. Aber: Sie schreibt nicht für mich. Und sie ersetzt auch keine Haltung.“

In diesem LinkedIn-Beitrag des Content-Marketers Henry Neumann spiegelt sich das Zusammenspiel von KI und Mensch gut wider. Dabei bleibt der Mensch die zentrale Entscheidungsinstanz und nutzt die Technologie als Partnerin. Das Zitat verdeutlicht auch, dass KI kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug ist, das die menschlichen Fähigkeiten erweitert. „Daher muss sie immer von Menschen gesteuert und überwacht werden“/1/, schrieb Florian Harms, Chefredakteur T-Online. Damit wird deutlich: Ohne Menschen im KI-Workflow, ohne ihre Fähigkeiten als Kontrollinstanz, geht heute noch wenig.

Genau diese Fähigkeiten erhalten eine immer höhere Relevanz, wie es im HubSpot-Blog heißt: „Wir stehen an einem Wendepunkt. Während KI-Modelle in Sekundenschnelle massenhaft Texte produzieren, wird echte menschliche Perspektive zum knappsten − und wertvollsten − Rohstoff. Nicht die lautesten Stimmen oder die besten Algorithmen gewinnen, sondern authentische Inhalte, die Ihre Persönlichkeit und Meinung transportieren.“ Heißt: Die KI kann mithilfe des Menschen gute Texte erstellen, aber nur der Mensch gibt ihnen Unterscheidbarkeit und Wiedererkennungswert.

Die KI für die Pflicht, der Mensch für die Kür

Die KI ist ein extrem machtvolles Instrument. Auf Basis von Daten liefert sie Einblicke, die manuell deutlich aufwändiger zu gewinnen wären. Gleichzeitig definiert sie die Rolle von Kommunikationsleuten, von Textern, neu: „Weg vom reinen Abarbeiten von Aufgaben, hin zum strategischen Dirigenten. Die Zukunft gehört nicht der KI allein, sondern denjenigen, die lernen, die Technologie intelligent, kreativ und verantwortungsvoll zu steuern, um authentische Verbindungen mit Menschen aufzubauen.“/2/

Chatbots wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity sind keine Zauberstäbe, keine Allheilmittel, die einfach und sofort bessere Texte liefern. Sie sind beeindruckende Werkzeuge, treue Assistenten, hilfreiche Sparringspartner. Sie erledigen Recherchen und Textaufgaben. Sie liefern Ideen, Vorschläge und Zusammenfassungen. Sie bauen Strukturen, Gliederungen, Erstentwürfe und Argumentationslinien − immer auf Basis des präzisen menschlichen Handwerks, das die passenden Fragen in den Prompt eingibt.

Es darf nicht zur Entmenschlichung des Schreibens führen, so der Spiegel-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit im Branchenmagazin journalist: „KI kann guten Journalismus unterstützen, aber es braucht Journalistinnen und Journalisten, um ein herausragendes Stück zu recherchieren, zu schreiben oder zu schneiden.“ Einfach gesagt: Die KI erledigt die Pflicht, der Mensch liefert die Kür.

Das Handwerk des neuen Schreibens erfordert damit sowohl Kopf als auch KI, den menschlichen Geist und die technologische KI, Emotionen, Erfahrungen und Erlebnisse gepaart mit technischer Präzision und hoher Effizienz, um wirksame Inhalte zu erstellen.

Laut Massachusetts Institute of Technology ist die Kombination von KI und menschlichen Mitarbeitern besonders bei Aufgaben vielversprechend, die die Erstellung von Inhalten betreffen. Gerade bei kreativen Aufgaben − wie dem Zusammenfassen von Texten, der Beantwortung offener Fragen oder dem Entwurf neuer Inhalte − erzielen Teams aus Menschen und KI bessere Ergebnisse als Menschen oder die KI allein. Hier ergänzen sich menschliche Einfälle, kulturelles Verständnis und KI-gestützte Ideenfindung optimal. Die Herausforderung besteht eher darin, die Balance zwischen KI-Effizienz und menschlicher Authentizität zu finden, um einerseits von Effizienz und Analysefähigkeit zu profitieren, andererseits nicht die einzigartige Identität zu verlieren. Und dies gilt für Marken wie für Autoren.

Hybride Zukunft

„Tauchen wir ein in das, was einen Autor in der heutigen digitalen Landschaft erfolgreich macht. Sie betreten einen Bereich, in dem KI und menschliche Kreativität Hand in Hand arbeiten und die Art und Weise transformieren, wie wir professionelle Inhalte gestalten. Stellen Sie sich das wie einen Tanz zwischen technologischer Präzision und Ihrer einzigartigen kreativen Stimme vor.“/3/

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Dieser Tanz entspricht unserer Kernaussage: Die Zukunft ist hybrid, gerade von Textern. Sie ist weder nur menschlich noch nur künstlich, sondern verbindet die Stärken von Menschen und Maschinen. Sie mischt die datengetriebene Effizienz der KI mit der Emotionalität und Kreativität des Menschen, der viel besser entscheiden kann, was von Relevanz ist, was die Zielgruppen überzeugen, berühren oder abschrecken könnte. Auch viele Teams setzen auf diesen Mittelweg: „Sie nutzen KI zur Recherche, Themenfindung oder Gliederung und bringen dann die eigene Expertise, Haltung und Stimme ein. Erste Sichtbarkeit entsteht meist durch Technik, doch das Vertrauen der Zielgruppe entsteht durch Persönlichkeit.“/4/ In einer digitalisierten Welt wird die Fähigkeit zur persönlichen, authentischen Kommunikation damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

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Über Texter, die KI effektiv nutzen

Wie entstehen künftig gute Texte? Die Antwort liegt in der Balance. KI kann analysieren, strukturieren, unterstützen. Aber sie kann nicht fühlen, nicht kontextualisieren, nicht motivieren. Beide müssen folglich partnerschaftlich zusammenarbeiten. Statt KI nur isoliert Aufgaben lösen zu lassen, arbeiten sie gemeinsam an Problemlösungen. Die KI dient dabei als Assistentin, die Vorschläge liefert, während der Mensch steuert, kritisch prüft, kreativ ergänzt und persönlich einfärbt.

Für diese hybride Lösung ist eine Strategie nötig, in der die Rollen von KI und des Menschen klar definiert sind, in der deutlich festgelegt ist, an welcher Stelle die KI bei einem Text unterstützen soll. Gerade durch die Kombination der Stärken von KI und von menschlicher Emotionalität, Kreativität und Erfahrung lassen sich qualitativ hochwertige Inhalte produzieren, die präzise, ansprechend und überzeugend sind. Dies zeigt, dass Texter KI als ein Werkzeug verstehen müssen und nicht als Bedrohung, als hilfreichen Assistenten und nicht als Ersatz von sich selbst.

Das bedeutet aber auch, dass Texter ihren Werkzeugkasten kontinuierlich erweitern müssen, der weit über die traditionellen Schreibfähigkeiten hinausgeht. Sie müssen lernen, wie stark die KI und maschinelles Lernen die menschliche Kreativität erweitern können. Denn die Zukunft gehört denjenigen, die diesen hybriden Ansatz für sich verinnerlichen.

Übertragen auf Texter muss daher der erwähnte Ausspruch des Wirtschaftswissenschaftlers Richard Baldwin auf dem World Economic Forum wie folgt übersetzt werden: „Nicht künstliche Intelligenz wird deinen Texter-Job übernehmen, sondern ein Texter, der weiß, wie er KI effektiv nutzt − im Tandem mit seinem eigenen Kopf.“


Mit freundlicher Genehmigung der Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft · Steuern · Recht GmbH.

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Kai-Heddergott

Dominik Ruisinger (LinkedIn-Profilseite) ist gelernter Journalist, ausgebildeter PR-Berater (DAPR) und zertifizierter Stiftungsmanager (DSA). Seit den 1990er-Jahren beschäftigt sich der studierte Diplom-Politologe mit den Veränderungen in der Medien- und Kommunikationsbranche mit Fokus auf digitale Kommunikation, integrierte Strategien und moderne Textformen. Er coacht Unternehmen und Institutionen, Agenturen und Stiftungen, leitet Workshops an Hochschulen und privaten Ausbildungsinstitutionen und schreibt täglich viele Texte.


Kai Heddergott (LinkedIn-Profilseite) ist freiberuflicher Kommunikationsberater und Dozent. Nach dem Abitur war er zwei Jahre lang in einer Pressestelle der Bundeswehr tätig, seit seinem Studium der Publizistik in den 1990er-Jahren beschäftigt er sich professionell mit digitaler Kommunikation. An der Hochschule konnte er am Aufbau der Elektronischen Lehrredaktion des Instituts für Publizistik an der Universität Münster mitwirken. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in der Medienforschung war er in Kommunikationsagenturen beschäftigt und machte sich 2009 als Kommunikationsberater selbstständig. Heute begleitet er Institutionen und Unternehmen, wenn es darum geht, die Kommunikation zeitgemäß auszurichten.

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Aus: Dominik Ruisinger / Kai Heddergott: Besser texten mit Kopf und KI. Der Leitfaden für das Neue Schreiben. Schäffer-Poeschel 2026. Buch und E-Book 200 Seiten. EUR 29,99.

Dieser Artikel ist Teil des Channels Digital Publishing Technologien, der sich mit Content-Strategien und Prozessen beschäftigt.  Der Channel wird gesponsert von Fabasoft Xpublisher.