Wie Bücher ihre Leser:innen finden

Dorette Peters, Metadatenmanagerin bei Penguin Random House, über ihre Arbeit in der IG Produktmetadaten und im Beirat der Deutschen Nationalbibliothek

Foto/Video: Freepik

Dorette Peters’ Thema sind die Produktmetadaten. Das sind zum einen bibliografische Angaben eines Buches, wie zum Beispiel Autor:in, Seitenzahl und Preis. Darüber hinaus werden einem Buch verkaufsfördernde Informationen mit auf den Weg gegeben: Beschreibungstext, Thema, Kategorie, die Angabe von anderen Ausgabearten oder auch Bilddateien wie das Cover. Bei rund 2,5 Millionen lieferbaren Titeln auf dem deutschsprachigen Buchmarkt helfen gut gepflegte Metadaten der Auffindbarkeit und Sichtbarkeit der Bücher in der Buchhandlung, im Online-Shop oder in Bibliotheken. So findet das richtige Buch die richtigen Leser:innen.

Dorette Peters, Leiterin des Titel- und Metadatenmanagements bei der Penguin Random House Verlagsgruppe, berichtet im Interview, was sie an ihrer Arbeit mit Produktmetadaten begeistert. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der IG Produktmetadaten des Börsenvereins und bei der Deutschen Nationalbibliothek hilft ihr persönlich, ihr Wissen über das hochrelevante und dynamische Feld der Produktmetadaten aktuell zu halten.


Was hat dich dazu bewogen, dich in der IG Produktmetadaten ehrenamtlich zu betätigen? Wie bist du dazu gekommen?

Ich muss gestehen, ganz am Anfang ist mein Einsatz für die Metadaten durch einen Geschäftsführer angeordnet worden. Ich war 19 Jahre Leiterin der Verkaufsförderung und da Metadaten ja auch einen verkaufsfördernden Effekt haben, ist das Thema bei mir gelandet. Im Rahmen der Aufgabe habe ich mich dann mit einer kleinen Gruppe aus der Branche ausgetauscht und nach einer Umstrukturierung innerhalb des Börsenvereins wurden 2017 verschiedene Interessengemeinschaften gegründet. Und plötzlich war ich Gründungsmitglied der IG Produktmetadaten! Wir vertreten in der IG drei Sparten, also Handel, Zwischenbuchhandel und die Verlage. Für jeden Bereich gibt es eine:n Sprecher:in. Vor vier Jahren bin ich zur Sprecherin der Verlage gewählt und 2023 bestätigt worden.

Deutsche Nationalbibliothek: ein Metadaten-Spezialist

Dein Ehrenamt hat sich also mit der Zeit entwickelt. Nun bist du auch Beirätin der Deutschen Nationalbibliothek. Wie kam es dazu?

Ich vermute, weil ich als Sprecherin für Verlage aktiv bin, hat man mich angefragt, ob ich das gerne machen möchte. Dieses Ehrenamt ist einfach meiner Liebe zum Buch, meiner Begeisterung für Bibliotheken und im Besonderen meiner Faszination für die Institution Deutsche Nationalbibliothek geschuldet. Die DNB versteht sich als „Hüterin von Wissen“, hat einen klaren Archivierungsauftrag und sammelt wirklich umfassend. Das ist eine neue, interessante Welt, in der ich da unterwegs bin. Und da musste ich natürlich sofort zusagen.


Was genau machst du als Beirätin?

Als Beirätin der DNB höre ich mir an, was der Vorstand im letzten Jahr getan hat, was der Vorstand im nächsten Jahr versucht zu planen, wo der Vorstand den Beirat um Unterstützung bittet. Mit dem Hintergrund der beruflichen Erfahrungen diskutieren wir Beirät:innen miteinander und mit dem Vorstand über diese anfallenden Themen.

Es geht zum Beispiel darum, dass die Deutsche Nationalbibliothek neben der Sammlung den Auftrag hat, Titel und Bücher der Forschung zugänglich zu machen. Sie hat also nicht den Auftrag, eine Publikumsbibliothek zu sein. Nichtsdestotrotz möchte man als große Bibliothek eine gewisse Öffentlichkeit bekommen. Aber bei begrenzten Mitteln kann man leider nicht alle Wünsche umsetzen.

Gemeinsames Lernen und Austausch in der IG Produktmetadaten

Und was sind deine Aufgaben in der IG Produktmetadaten?

Im Rahmen meiner Sprecherinnentätigkeit organisiere ich die beiden Jahrestagungen mit und veranstalte regelmäßig digitale Onboarding-Termine für neue aktive Mitglieder der IG. Das heißt, ich informiere Kolleg:innen aus anderen Verlagen und Bereichen darüber, wie die IG Produktmetadaten funktioniert, wie man da mitarbeiten und sich vernetzen kann.

Außerdem ist die IG in Peer Groups und Action Groups organisiert. Die Peer Groups bearbeiten langfristige Themen, also eine kontinuierliche Arbeit. Und die Action Groups kümmern sich um Themen, die nach der Bearbeitung einfach abgeschlossen sind. Ich arbeite aktiv in der Peer Group „ONIX-Weiterentwicklung“ mit. ONIX (Online Information Exchange) ist der internationale Standard für den Austausch von Metadaten in der Buchbranche. Die ONIX-Daten werden von unseren Kunden, zum Beispiel von Thalia und Hugendubel, verwendet, um ihre Kataloge zu erstellen und um den Verkauf und die Vermarktung von Büchern zu unterstützen.

Wie entscheidet ihr, welche Themen ihr in den Gruppen bearbeitet?

Wenn neue Themen auftauchen, dann entscheiden wir meistens gemeinsam im großen Forum, ob wir daraus eine Peer Group oder eine Action Group machen. Zum Beispiel haben wir jetzt die Peer Group KI neu gegründet, weil wir glauben, dass das ein Thema ist, das uns noch lange beschäftigen wird. Eine neue Action Group gab es zuletzt zu „Tropes“ (wiederkehrende Motive oder Muster in Büchern), also ein Thema aus dem Buchcommunity-Bereich auf TikTok.

Das klingt nach einer spannenden Themenvielfalt. Sucht ihr denn noch Mitglieder?

Ja, wir sind sehr offen für weitere Mitglieder. Besonders würden wir uns wünschen, dass sich Handelsteilnehmer:innen noch mehr engagieren. Da gibt es noch wenige Vertreter:innen in den einzelnen Action- und Peer Groups.

Es gibt viele Peer Groups, die parallel zueinander arbeiten, und zu unseren Treffen auf der Frankfurter Buchmesse kommen schon mal 90 Leute zusammen. Das ist immer schön und vermittelt auch ein bisschen Nestwärme. Und in den Gesprächen merkt man auch, wie sich das Bewusstsein für die Bedeutung von Metadaten in den Verlagen entwickelt hat.

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Im Ehrenamt für den Verlagsalltag lernen

Kannst du in deiner Arbeit als Metadatenmanagerin von deiner IG-Arbeit profitieren und umgekehrt?

Ja, massiv! Ich bekomme frühzeitig Entwicklungen mit, die mir in der täglichen Arbeit das Leben leichter machen. Ohne die Mitarbeit in der IG würde ich von vielen Themen nur aus den Veröffentlichungen im Börsenblatt erfahren. Durch die aktive Mitarbeit kann ich die Themen auch besser einschätzen und auch. Das sind zwei große Vorteile, wenn man sich in so einer IG engagiert, egal ob nun als Sprecherin oder in den Peer- und Action Groups.

Was hast du zuletzt in deinen Ehrenämtern dazu gelernt?

Man lernt ziemlich viel Neues! Durch das Ehrenamt als DNB-Beirätin habe ich eine Menge über die Herausforderungen von Bibliotheken gelernt. Zum Beispiel sehen wir immer nur die „Repräsentativgebäude“ mit einem Teil des Bestandes, wenn wir Bibliotheken nutzen. Der Rest befindet sich verborgen in großen Lagerräumen mit besonderen klimatischen Bedingungen. Allein die Lagerung und Konservierung kostet sehr viel Geld und sehr viel Mühe.

Mir war außerdem nicht bewusst, dass auch Bibliotheken Ziel von Hackern sind. 2023 ist die British Library gehackt worden. Seitdem ist das Thema IT-Security bei der DNB sehr weit oben auf der Tagesordnung.

Und in der IG Produktmetadaten beschert mir die EU durch Verordnungen immer neue Lernerlebnisse. Aktuelle Stichworte sind hier Kontakt für Produktsicherheit, Entwaldungsverordnung und Barrierefreiheit. In die Themen muss ich mich einarbeiten, weil viele dieser Verordnungen eine Anpassung der Produktmetadaten erfordern.

Was würdest du Leuten empfehlen, die mit dem Gedanken spielen, sich in der Branche ehrenamtlich zu engagieren?

Das Ehrenamt bietet viele Vorteile! Erstens lernt man viel. Zweitens ist es superinteressant, noch tiefer in ein Thema einzutauchen, und drittens lernt man andere Kolleg:innen aus der Branche kennen und paddelt nicht nur im eigenen Teich, sondern kommt auch mal raus aufs Meer. Unsere Branche ist unglaublich vielfältig und es gibt so viele Arbeits- und Interessengruppen im Börsenverein, vom Antiquariat bis zu wissenschaftlichen Bibliotheken ist alles dabei. Wer also dort ein Thema findet, das inhaltlich auch noch Überschneidungen mit dem eigenen Arbeitsfeld hat, dem würde ich raten: Machen!

Dorette Peters, (c) Dominik Profanter

Dorette Peters ist Leiterin Titel- und Metadatenmanagement bei Penguin Random House (PRH), wo sie die Strategien für die Datenpflege und -optimierung der Verlagstitel verantwortet. In dieser Funktion ist sie eine anerkannte Expertin im deutschsprachigen Buchhandel und engagiert sich als Sprecherin der IG Produktmetadaten beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Zudem ist sie Organisatorin der Metadaten-Lounge, eines Austauschformats für Datenexperten der Branche, und setzt sich für den Einsatz von KI-Tools zur Prozessbeschleunigung in Bereichen wie Metadatenpflege und Backlist-Management ein. Zudem ist sie seit 2023 Beirätin der Deutschen Nationalbibliothek (DNB).

Foto Dorette Peters: Dominik Profanter.

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