Barrierefrei im E-Mail-Kanal

Inklusiv die Conversion optimieren

Nicht die große Kampagnen-Idee entscheidet über den Erfolg eines Mailings, sondern scheinbar kleine Details: ein Button, ein Kontrast, eine Formulierung. Wer E-Mails barrierefrei denkt, macht sie nicht nur für Menschen mit Einschränkungen zugänglicher, sondern oft für alle Empfänger:innen klarer, verständlicher und wirksamer. Dieser Praxisbeitrag zeigt, worauf es bei Struktur, Gestaltung, Bildern, Texten und Call-to-Actions ankommt, wenn Verlage ihre E-Mail-Kommunikation inklusiver aufstellen möchten.

Denn Barrierefreiheit ist längst mehr als eine Pflicht – sie kann zum Hebel im digitalen Marketing werden.

Die visuelle Gestaltung einer E-Mail ist entscheidend, wenn es darum geht, Inhalte klar und zugänglich zu präsentieren. Hierbei sollten folgende Punkte besonders beachtet werden:

1. Schriftgrößen und Zeilenabstände optimieren

Eine Mindestschriftgröße von 15 px sorgt dafür, dass Texte auch für Nutzer mit Sehschwächen gut lesbar sind. Zusätzlich verbessern großzügige Zeilenabstände die Lesbarkeit.

2. Weißraum gezielt einsetzen

Zwischen Textblöcken, Bildern und weiteren Elementen sollte ausreichend Platz vorhanden sein, um die Übersichtlichkeit zu fördern.

3. Den Buttons klare Priorität einräumen

Gestalten Sie Buttons groß und gut erkennbar. Halten Sie ausreichend Abstand zu anderen Elementen, sodass sie leicht anklickbar sind, auch für Nutzer mit motorischen Einschränkungen.

4. Farbkontraste prüfen

Hohe Kontraste zwischen Text und Hintergrund sind essenziell. Besonders Rot-/Grün- und Blau-/Gelb-Schwächen kommen relativ häufig vor und sollten berücksichtigt werden. Nutzen Sie Tools wie kontrastrechner.de, um die Farbwahl auf ausreichenden Kontrast hin zu überprüfen.

5. Struktur schaffen

Überschriften sollten eine klare visuelle Hierarchie aufweisen. Also auf Größenunterschiede von wenigstens zwei Stufen und auf unterschiedliche Schriftstile und Farben achten! Trennlinien und abgestimmte Hintergrundfarben helfen, Inhalte sinnvoll zu gliedern und leichter erfassbar zu machen.

6. Eindeutige Titel verwenden

Der Titel des Mailings, idealerweise als H1-Überschrift formatiert, sollte prägnant und aussagekräftig sein, damit auch Screenreader-Nutzer sofort das Thema erfassen können. Etwa ein Prozent der Bevölkerung nutzt diese.

Dasselbe gilt für die wichtigsten Zwischenüberschriften.

Effektive Call-to-Actions (CTAs) gestalten

Call-to-Actions stehen im Zentrum jeder E-Mail, die zu einer Handlung auffordert. Deshalb lohnt es sich besonders, in dieser Hinsicht viel nachzudenken und einem klaren Konzept zu folgen. Damit Call-to-Actions barrierefrei sind, sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

1. Einfache und verständliche Sprache:

CTAs müssen klar formuliert sein. Vermeiden Sie vage, uneindeutige Begriffe wie „Hier klicken“ und setzen Sie auf aussagekräftige Formulierungen wie „Jetzt mehr erfahren“, die konkrete Erwartungen wecken und erfüllen.

2. Erkennbare Links:

Die entsprechenden Links sollten visuell hervorgehoben werden, zum Beispiel durch die klassische und „gelernte“ Unterstreichung. Dies erleichtert die Orientierung für sehbehinderte Nutzer.

3. Barrierefreie Klickflächen:

Die Klickflächen sollten ausreichend groß sein, damit auch Nutzer mit eingeschränkter Motorik sie sicher treffen.

Bildinhalte optimal einsetzen

Eine fundamentale Regel für barrierefreie E-Mailings lautet: Die wesentlichen Informationen dürfen nicht allein durch Bilder transportiert werden. Daher sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:

1. Texte als Hauptinformationsquelle nutzen:

Wichtige Inhalte sollten immer auch in Textform verfügbar sein, da Screenreader Bildinhalte nicht direkt erfassen können.

2. Alternativtexte sinnvoll formulieren:

Jedes Bild sollte mit einem beschreibenden Alternativtext versehen werden. Statt eines einfachen Begriffs wie „Büro“ empfiehlt sich eine detailliertere Beschreibung wie „Offenes Großraumbüro mit Mitarbeitenden am Arbeitsplatz“ oder, falls es sich um ein Produktbild handelt, eine Kurzbeschreibung des zugehörigen Produkts.

3. Bilder gezielt einsetzen:

Bilder sollten einfache Botschaften tragen und nicht überladen sein. Dies verbessert die Wahrnehmbarkeit und verhindert eine visuelle Überforderung.

Inklusiv und klar: Texte für barrierefreie E-Mailings

Eine angepasste textliche Gestaltung ist ein zentraler Baustein barrierefreier Kommunikation. Beachten Sie folgende Tipps, um Ihre Inhalte auch sprachlich zugänglich zu machen:

1. Einfache Sprache verwenden:

Schreiben Sie in kurzen, prägnanten Sätzen.

Vermeiden Sie abgehobenen Fachjargon, kryptische Abkürzungen und Fremdwörter.

2. Gezielte Hervorhebungen:

Setzen Sie Hervorhebungen sparsam ein, um wichtige Inhalte zu betonen, ohne den Lesefluss zu stören.

3. Gendergerechte Sprache:

Prüfen Sie, ob Sie nicht besser inklusive Formulierungen verwenden sollten, sofern sie lesbar und verständlich sind. Dies gewährleistet, dass sich alle Leser angesprochen fühlen. Eine Alternative ist ein Disclaimer am Fuß der E-Mail. Sie können diesen auch bei der ersten nicht inklusiven Formulierung in Klammern hinzufügen.

4. Lesbarkeit prüfen:

Nutzen Sie Tools wie den Flesch-Index, um die Verständlichkeit Ihrer Texte zu überprüfen, und arbeiten Sie gegebenenfalls nach. Texter:innen erhalten mit der Zeit Übung, wenn sie diesen „Schreibcoach“ regelmäßig einsetzen.

5. Emojis bewusst einsetzen:

Emojis können hilfreich sein, zum Beispiel um Inhalte für Menschen mit Lernstörungen zu visualisieren. Vermeiden Sie jedoch eine übermäßige Nutzung, da eine visuelle Überladung hinderlich für das Verständnis der zentralen Botschaften sein kann. Manche Screenreader haben auch Probleme mit der Ausgabe von Emojis.

Checkliste für barrierefreie E-Mailings

Für eine schnelle Überprüfung Ihrer E-Mailings vor dem Versand empfiehlt sich die Nutzung der folgenden Checkliste. Sie können bei jedem Projekt die einzelnen Punkte abhaken.

So stellen Sie sicher, dass alle relevanten Aspekte berücksichtigt werden.

Struktur und Layout

  • Schriftgröße und Zeilenabstände ausreichend?

  • Genügend Weißraum zwischen den Elementen?

  • Buttons gut erkennbar und zugänglich?

  • Hohe Farbkontraste sichergestellt?

  • Rot/Grün- und Blau/Gelb-Schwächen berücksichtigt?

  • Überschriften mit klarer visueller Hierarchie versehen?

  • Abschnitte sinnvoll abgegrenzt?

  • Aussagekräftiger Titel als H1-Überschrift formatiert?

Bebilderung

  • Alle wichtigen Informationen zusätzlich im Text enthalten?

  • Alternativtexte sinnvoll und beschreibend formuliert?

Textliche Gestaltung

  • Texte leicht verständlich?

  • Hervorhebungen sparsam und sinnvoll eingesetzt?

  • Aussagekräftige Linktexte verwendet?

  • Gendergerechte Sprache umgesetzt?

Für Verlage, die ihre E-Mailings barrierefrei gestalten möchten, bieten diese Methoden eine solide Grundlage. Barrierefreiheit ist nicht nur ein rechtliches und ethisches Muss, sondern auch ein Qualitätsmerkmal, das die Reichweite und Akzeptanz Ihrer Inhalte deutlich erhöht. Wer diese Prinzipien konsequent umsetzt, zeigt nicht nur Verantwortung, sondern stärkt auch die Bindung zur Zielgruppe.

Und auch bei Empfänger:innen ohne bekannte Einschränkungen wird es die Conversion verbessern, wenn Sie sich an diesen Empfehlungen orientieren.

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